Trotz??

 

Heute wollen wir einmal anschauen, was es mit dieser Trotzphase auf sich hat.

 

Das ist auch so ein Phänomen, wie die Pubertät. Bei manchen Kindern könnte man meinen, sie gehen direkt von der Trotzphase in die „Vorpubertät“ und  in die Pubertät über.

 

Doch worum geht es denn da?

 

Bei einem Kind zwischen 2 und drei Jahren ändert sich die Wahrnehmung seiner selbst. Es beginnt ein „Ich“ zu entwickeln, es nimmt war, dass es ein „Du“ gibt.

 

Wenn es also ein „Ich“ gibt, kann dieses „ich“ wirksam werden. Das ist eine sehr spannende Entwicklung für das Kind.

 

Denn gleich nach der Entdeckung  des „Ichs“ kommt das „ich will“ und eben auch „ich will nicht, und ich will so oder so, und vor allem alleine“.

 

 

 

Das ist aus Kindersicht eine Revolution, es kann etwas wollen und die Welt bewegen, das begeistert.

 

Erschwerend kommt allerdings hinzu, dass das Feintuning zwischen körperliche Fähigkeiten, Gedanken und Gefühlen und der Umwelt ein wenig holprig daher kommt.

 

Das passt alles noch nicht so zusammen. 

 

Der Kopf will, der Körper schafft das nicht, oder umgekehrt. Das Kind will hier hin, die Mama, der Papa woanders und schon haben wir das Dilemma.

 

Neben dem „Ich“ taucht plötzlich eine riesen Wut auf, über diese Diskrepanzen und die entlädt sich völlig unkontrolliert.

 

Was braucht so ein kleiner Mensch, wohl in dieser Überforderung?

 

Einen verlässlichen Partner, der weder das „Ich will“ unterdrückt, noch die Wut abwertet, sondern der versteht, wie groß die Not und wie wichtig dieser Entwicklungsschritt ist.

 

 

 

Was geschieht mit uns, wenn wir unser „Ich will“ abtrainiert bekommen? Wir werden später Mühe haben, das was wir wollen, auszudrücken. Wir werden uns vor unserer eigenen Wut fürchten, weil uns gespiegelt wurde, dass daran nichts richtig ist.

 

 

 

Ich bin überzeugt, jeder Vater einer 14-jährigen Tochter, sehr beruhigt sein wird, wenn ihr ein „ich will nicht“ ganz selbstverständlich und kraftvoll über die Lippen geht. Wenn ein 21-jähriger mehr von ihr will, als Händchen halten.

 

 

 

Es ist also wichtig zu verstehen, dass in der Trotzphase, Lebensfähigkeiten entdeckt und geübt werden. Nämlich sich zu wagen etwas zu wollen und das auch auszudrücken.

 

 

 

Wie wohltuend sind Menschen, die wissen was sie wollen, die dies formulieren und sich dann begeistert an die Umsetzung machen.

 

 

 

Was deine Aufgabe als Eltern ist?

 

Zu verstehen, zu begleiten, zu übersetzen und helfen, die Wut zu kultivieren und zu lernen, dass diese Kraft per se nichts Destruktives hat. Im Gegenteil, das ist die Kraft, die uns voran bringt,

 

die uns motiviert unseren Weg zu gehen. Dazu benötigen wir ein gewisses Maß an Aggression.

 

Dir fällt das schwer auszuhalten?

 

Dann ist vielleicht der Zeitpunkt gekommen, dir deine eigene Wut einmal genauer anzuschauen.

 

Zu erforschen welche Bilder, Verknüpfungen, Vorurteile, Ängste in dir angelegt sind und dich selber an diesem Punkt besser kennenzulernen.

 

Bis dahin hat sich dein kleines Rumpelstilzchen vielleicht auch wieder beruhigt und schon begeistert das nächste „ich will“ entdeckt.

 

 

 

Autorin Susanne Sonnleitner für SchwabenMom.de im Juli 2015